Wichtiges

Editorial: 70-jähriges Jubiläum des Heimatvereins

Der Heimatverein feiert sein 70-jähriges Bestehen. Am 22. September 2018 laden wir alle Großhansdorferinnen und Großhansdorfer ein, dies mit uns gemeinsam zu tun. Das herrliche Außengelände des Schullandheims Erlenried an der Straße Radeland bietet dafür den Rahmen. Wir feiern in Großhansdorf ein Fest im ›Altweibersommer‹ und müssen das ausgefallene Sommerfest am Rathaus in Kiekut nicht so sehr vermissen.

Der Heimatverein trägt seinen Namen nicht von ungefähr. In den ersten Jahren nach dem Weltkrieg erlebten die Gemeinden in Schleswig-Holstein einen ungeheuren Zustrom von Millionen von Flüchtlingen. Die alten Einwohner in diesem dünn besiedelten Flächenland sahen sich innerhalb weniger Jahren in der Minderheit. So war es auch in Großhansdorf. Die britische Besatzungsmacht lenkte den Flüchtlingsstrom bewusst hierher und verordnete mit harter Hand administrative Maßnahmen zur Unterbringung und Verpflegung der hier gestrandeten Menschen. Den Großhansdorfern begegneten vielfach schwer traumatisierte, vergewaltigte, vertriebene und enteignete Menschen, die zum Teil über 1.000 Kilometer treckten, um der Kriegswalze und dem Furor der Sieger zu entkommen. Unterbringung hieß Einquartierung bei den Einheimischen, wo immer dies den Behörden möglich schien. Die Flüchtlinge bekamen Lebensmittel zugeteilt, um nicht zu verhungern. Unbestreitbar waren die Einheimischen damit sehr belastet. Es gab heftige Reaktionen. Ich will Ihnen eine solche nicht vorenthalten, weil sie so verblüffend aktuellen ›Botschaften‹ in den sozialen Netzwerken ähnelt.

Die Flüchtlinge fressen sich dick und fett
und stehlen uns noch das Letzte weg.
Wir Armen, wir haben eine Pein;
Herrgott, schick doch das Gesindel heim!
Schick sie zurück zur Polackei,
Herrgott im Himmel, mach uns frei!
Sie haben keinen Glauben und keinen Namen,
die dreimal Verfluchten. Amen!

Man sah nur die eigene Last und verstand nicht die Last der Anderen. Es gab aber einheimische Großhansdorfer um Nicolaus Henningsen, die verstanden, dass die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien hier eine neue Heimat finden mussten. Es gab das Wort Gemeinsinn – wir sagen heute eher Solidarität. Beide Wörter bedeuten, dass man sich öffnet, dass man bereit ist zu geben, was der Einzelne in seiner Not braucht.

So gründeten die alten mit den neuen Großhansdorfern 1948 im Gasthaus Mühlendamm einen Verein, um eine gemeinsame Zukunft aller Bürger zu gestalten mit dem Ziel, das kulturelle Leben in der Gemeinde zu pflegen und die wirtschaftlichen und kommunalen Belange im Ort zu fördern. So steht es auch heute noch in der Satzung des Heimatvereins. Hier in Großhansdorf damals eine Heimat zu finden, war für die Ankömmlinge seelische Schwerstarbeit. Im Verein willkommen zu sein, war für sie eine große Erleichterung.

Der Heimatbegriff hat sich gewandelt. Auch für den Verein. An dem Begriff Heimat wird viel politisch und ideologisch herumgezerrt. Es gibt eine gesellschaftliche Tendenz, ihn zur Ausgrenzung anderer zu instrumentalisieren. Das erinnert an schlimme Zeiten.

Die meisten Einwohner Großhansdorfs sind seit den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts zugezogen. Und weiterhin erlebt unser Ort einen Zuzug junger Familien. Kinder der älteren Generation, nun selber Erwachsene, zieht es zurück in ihren Heimatort. Hier eine Heimat zu finden, sich wohl zu fühlen, dazu zu gehören und anerkannt zu werden – das ist das, was zählt.

Die Heimatforscherin Beate Mitzscherlich schreibt in ihrem Vortrag ›Heimat ist das, was ich mache‹: »Menschen sind offenbar nicht nur von Natur aus ›territorial‹ (…) sondern existenziell angewiesen auf das Gefühl von Vertrautheit, Zugehörigkeit, sozialer Einbindung und Geborgenheit.«

In diesem Sinne wünscht sich der Heimatverein, sie miteinander zu verbinden, die ›alteingesessenen‹ Großhansdorfer und ihre zugezogenen neuen Mitbürger, und damit seine traditionelle Aufgabe wahrzunehmen. Hierfür feiern wir unser Fest, hierzu laden wir ein.

Peter Tischer

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Heimatverein Großhansdorf-Schmalenbeck e.V.

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