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Wanderwoche

Auf Panoramawegen durch das ›Liebliche Taubertal‹

Unsere diesjährige Wanderwoche vom 2. bis 11. September 2018 machte dem Prädikat ›Panoramaweg‹ alle Ehre: Auf aussichtsreichen Wegen ging es durch Weinberge oder auf den Anhöhen an abgeernteten Feldern und Waldrändern entlang und dann wieder hinunter in den nächsten ›lieblichen‹ Ort. Dazu waren allerdings einige – meist moderate – Anstiege notwendig. Auch das Wetter meinte es gut auf unserer ›Genusswanderung‹ von Wertheim bis Rothenburg ob der Tauber mit acht Etappen von 10 bis 18 Kilometern. Die Tauber entspringt im Klingenbrunnen bei Weikersholz und mündet nach 131 Kilometern bei Wertheim in den Main.

02.09. Eine Mitwanderin zeigt uns am Ankunftstag ihre Heimatstadt Wertheim. Beim Rundgang durch das Städtle geht es ein Stück entlang am Tauberufer, durch kleine Gassen mit hübschen Fachwerkhäusern, vorbei am Glasmuseum sowie in die Stiftskirche. 1383/84 wurde die romanische Vorgängerkirche zur heutigen gotischen, dreischiffigen Basilika um- und ausgebaut. Den Abend lassen wir im urigen Lokal ›Zum Ochsen‹ bei leichten oder deftigen Speisen ausklingen.

Wertheim-Markt  Kloster Bronnbach  Josephsaal Kloster BronnbachWeinlese Tauberrettersheim03.09. Ausgeruht nehmen wir den ersten Anstieg zur Burg, dem Wahrzeichen der Stadt aus dem 12. Jahrhundert. Unser Ziel ist das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach, 1153 erstmalig erwähnt. Eine romanische Klosterkirche, eine dreischiffige Basilika mit steinernem Gewölbe, sowie der romanische Kapitelsaal und gotische Kreuzgang liegen im Zentrum der Anlage. Die wunderschöne barocke Gartenanlage wurde erst kürzlich neu angelegt. Leider regnet es am Abend, so dass wir wenig Lust zum Laufen in dem kleinen Ort verspüren und uns auf das Abendessen freuen.

Gamburg  04.09. Der Nebel verzieht sich langsam und die Sonne lässt sich blicken, das hebt unsere Laune. Der Weg führt uns durch Wälder, an Wiesen und Äckern vorbei. Immer wieder können wir uns bücken und Äpfel und Pflaumen aufsammeln bzw. pflücken – lecker. Unser Ziel ist Tauberbischofsheim bekannt durch die Fechtgeschichte, die 1954 mit der Gründung einer Fechtabteilung durch E. Beck begann und seit 1986 Olympiastützpunkt ist.

Spinnenweben vor Weinstöcken  05.09. Eine herrliche Morgenstimmung, als der Nebel sich verzieht und den Blick auf tausende Spinnenweben freigibt! Es ist ziemlich warm, und auf dem Weg durch Lauda-Königshofen lassen wir uns Eis oder Pizza schmecken. Natürlich gehen wir noch in die Jakobuskirche (als Pilgerer oder Wanderer ein Muss). Weiter leicht bergauf und -ab geht es an und durch Weinberge, hier probieren wir auch die Weintrauben (über vier Wochen vor der Lese darf nicht mehr gespritzt werden, so haben wir keine Bedenken). Am Ende erreichen wir Beckstein, mitten in den Weinbergen gelegen. Wer Lust hatte, geht noch auf den Weinlehrpfad, in die Kirche, durch den kleinen Ort oder genießt bereits den ersten Schoppen und ruht sich aus.

Blick auf Lauda  06.09. Gleich nach dem Frühstück der erste steile Anstieg. Schnaufen, strahlende Gesichter, jeder auf seine Art. Dann wieder gemütlich durch Weinfelder. Weiter auf dem Weg können wir auch sehen, wie die monatelange Hitze den Boden ausgedörrt hat und Etliches braun und vertrocknet ist. Wir müssen uns sputen, denn um 14 Uhr sind wir für eine Stadtführung in Bad Mergentheim angemeldet. Mit Rucksack und in Stiefeln geht es durch die wunderschöne Altstadt mit Kirchen und hübsch renovierten Fachwerkhäusern; in einem hat Eduard Möricke von 1844-51 gelebt und hier sogar geheiratet. Im Renaissanceschloss ist u.a. der Sitz des Deutschordenmuseums mit 3.000 m2 Ausstellungsfläche untergebracht. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Der Milchlingsbunnen wurde 1926 anlässlich der 100-jährigen Entdeckung der Heilquellen hierher versetzt, durch die Bad Mergentheim sehr bekannt ist.

Ankunft in Beckstein  Bad Mergentheim Marktplatz  Bad Mergentheim SchlosskircheHerrgottskirche Riemenschneider-Altar

Schloss Weikersheim Rittersaal  07.09. Bei anfänglich etwas Nieselregen führt uns der Weg durch den sehr schön angelegten Kurgarten zu unserem nächsten Ziel nach Weikersheim. Wir wohnen direkt am Marktplatz mit Rathaus und Schloss, ein schönes und herrschaftliches Bild mit Baustilen unterschiedlicher Epochen. In der Mitte des Platzes steht ein aus Tauberländer Muschelkalk geschaffener Rokokobrunnen. Wir besichtigten das sehenswerte Schloss, doch der Schlossgarten, der unter Graf C. L. von Hohenlohe ab 1708 gestaltet wurde, beeindruckt uns fast noch mehr. Wir nutzen die restliche Zeit und lustwandeln zwischen wunderschön angelegten Beeten bis zur Orangerie.

Schlossgarten Weikersheim  08.09. Die Sonne strahlt vom Himmel, Weinberge, abgeerntete Felder, Obstwiesen. Vorbei an der Igersheimer Sternwarte. Durch eine spontane Änderung des Weges kommen wir nach Tauberrettersheim mit der nach Plänen von Balthasar Neumann gebauten sechsbogigen, auf halbkreisförmig abgerundeten Pfeilern ruhenden 85 m langen Brücke. In der Brückenmitte erhebt sich die Figur des Heiligen Nepomuk von 1716. Nach Röttingen (wir sind für kurze Zeit in Bayern) geht es wieder durch Weinberge. Die Weinlese beginnt, wir beobachten die harte Arbeit: mit der Kiepe voll Wein (50 kg) den Berg mit teils 70 %iger Steigung hinuntergehen und den Wein auf einen Hänger laden. Ja, Arbeit macht Spaß, da könnte man stundenlang zuschauen – wir wandern lieber. Jeder von uns sucht in der Mittagspause Schatten, verzehrt Kaffee und Kuchen oder andere Leckereien. So erreichen wir den kleinen Ort Creglingen. Einige gehen noch in den Ort, doch die meisten freuen sich auf eine Dusche und etwas zu Trinken.

Blick auf Röttingen  09.09. Zunächst machen wir uns in einem kurzen Abstecher auf zur Herrgottskirche mit dem weltberühmten Marienaltar von Tilman Riemenschneider, den er zwischen 1490 und 1510 aus Föhren- und Lindenholz schnitzte. Die Figuren sind unbemalt und es scheint, als ob das Holz zum Sprechen gezwungen wird. Still und andächtig sitzen wir in der Kirche und genießen den Anblick.

Blick Richtung BrauneckZurück durch den Ort müssen wir noch unbedingt zu dem Lindleinturm, der zur ehem. Stadtbefestigung gehörte. Im Jahre 1795 wurde ihm ein ›Wohhäuslein‹ aufgesetzt, klein wie eine Puppenstube, ein besonderes Kleinstmuseum mit den Originalmöbeln und Inventar. Die letzte Bewohnerin Margarete Böttiger erwarb den Turm 1927 und bewohnte ihn bis 1993. Das Klo ist außen angebracht und eine Hühnerleiter führte ins obere Zimmer. Es ist so klein, wir können nur grüppchenweise in die winzigen Räume. Gertrud Volck erzählt uns danach ausführlich über das Leben von Frau Böttiger. Nebenbei erfuhren wir, dass Frau Volck als Hebamme in Hamburg in der Finkenau arbeitete und in der Zeit wohl an die 4.000 Kinder zur Welt brachte.

Creglingen LindleinturmRothenburg St.Jakob-Riemenschneider Heilg-Blut-AltarCreglingen-Lindleinturm WohnzimmerWieder führt uns der Weg über Höhen und leichte Abstiege, wir genießen herrliche Ausblicke, naschen Weintrauben und kommen zum Hotel ›Zum Falken‹ in Tauberzell, einem kleinen, friedlichen Ort direkt an der Tauber. Zunächst einmal Kaffee und ›Schneebälle‹, eine Spezialität der Gegend. Jeder genießt den Nachmittag, bis es am Abend in die Scheune zum Abendessen geht. Gutes Essen, Wasser, Bier, Wein, was das Herz begehrt. Wandersleut‘ sind eigentlich immer hungrig!

Tauberzell  10.09. Unser letzter Wandertag geht nach Rothenburg ob der Tauber. Nach Einkehr in Bettwar in die ›Alte Schreinerei‹ geht es nach Detwang – 1383 kaufte die Reichsstadt Rothenburg den Ort. Die Besichtigung der Peter-und-Paul-Kirche war noch einmal Pflichtprogramm, um das Retabel von Tilman Riemenschneider zu bewundern.

Dann sehen wir schon die mächtige Stadtmauer und die Türme von Rothenburg, und hinein geht es in die pulsierende Stadt und direkt zur St. Jakobs-Kirche mit dem Heilig-Blut-Altar, ebenfalls ein Werk von Tilman Riemenschneider. Weiter zum Marktplatz, wir sehen Geschäfte von Käthe Wohlfahrt, hier gibt es das ganze Jahr Weihnachtsartikel. Wunderschöne Fachwerkhäuser, das Rathaus, die Ratstrinkstube mit einem Renaissancegiebel und einer Sonnenuhr. In den oberen Fenstern  ist mehrmals täglich zur vollen Stunde die legendäre Geschichte des Meistertrunks zu sehen, mit dem Rothenburg 1631 vor der Zerstörung gerettet wurde. Einige laufen noch nach dem Essen auf der Stadtmauer, die um die ganze Altstadt führt. Es wird dunkel und wir müssen in den Türmen, die mit ein paar Stufen und Unebenheiten versehen sind, die Taschenlampe zur Hilfe nehmen. Um 21:30 Uhr begleiten wir den Nachtwächter, der uns mit einigem Schmunzeln und nicht so viel Zahlen etwas von der Stadt erzählt.

Rothenburg Rathaus  Rothenburg mit Pönlein und Siebersturm11.09. Abreisetag und Rückblick. Es war eine schöne Genuss-Wanderwoche mit ca. 120 km bei Super-Wetter, für einige von uns zu warm. Der ganze Weg war moderat, manchmal aber doch mit kurzen steilen Aufstiegen. Jeder Ort bzw. Stadt war sehr sauber. So viele Äpfel, Pflaumen und Weintrauben haben wir wohl noch nie in einer Woche verzehrt und das alles kostenlos und ›Bio‹!

Erika Lembcke

 

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