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Wanderwoche

Wanderwoche 2021 in der Fränkischen Schweiz vom 8. bis 16. August 2021

Auf den Spuren von Victor von Scheffel

Der Schriftsteller Victor von Scheffel (1826-1886) war für seine Idyllenpoesie bekannt – da kam er in der Fränkischen Schweiz auf seine Kosten. In einem Brief an seine Mutter 1859 schwärmte er von dem ›Kalkgebirg‹ mit abenteuerlichen verwitterten Felsnadeln aus Dolomit. 1883 blieb er einige Tage in einem Gasthof in Gößweinstein, der noch heute nach ihm benannt ist und dichtete:

Wer dich, o Goswinstein erbaut,
Verbrauchte manch Pfund Heller…,
Sigiza, alte Knappenbraut,
führt uns zum steilen Söller!
Wer hoch dort ob dem Abgrund schwebt,
Dem liegt die Welt zu Füßen,
Und wer vor Runzeln nicht erbebt,
Darf die Sigiza küssen.

Der Namensträger des Ortes und der Burg  – Goswin – lebte im 12. Jhd. Die heutige im Verhältnis zur riesigen Basilika recht kleine Burg stammt aus dem 18. Jhd. und überragt auf steilem Fels den frommen Ort.

Scheffel sorgte mit seinen Gedichten und Liedern (u.a. dem Lied der Franken) für einen hohen Bekanntheitsgrad der Fränkischen Schweiz, so dass für ihn ein Denkmal in Gößweinstein aufgestellt wurde und der Fränkische-Schweiz-Verein ihm 18 Texttafeln widmete, die an Originalschauplätzen aufgestellt wurden.

FS0-Blick vom Kreuz auf Basilika und Burg Gößweinstein mit AbendstimmungAnders als der Poet logierten wir 13 Wanderer im ›Hotel Krone‹ direkt gegenüber der großen doppeltürmigen Wallfahrtsbasilika. Jeden Morgen um sieben Uhr weckte uns ihr vielstimmiges Geläut. Spätestens um 8:00 Uhr saßen wir alle beim Frühstück, um dann um 9:00 Uhr nach kurzer Autofahrt zu unseren Wanderungen aufzubrechen.

FS1-Das Felsentor bei GößweinsteinFS1-Steiler Aufstieg zum Fahnenstein über TüchersfeldDie Fränkische Schweiz ist ein Eldorado für Wanderer, Kletterer und Kanufahrer. Bei zum Teil hochsommerlichen Temperaturen (kein Regen, in den letzten drei Tagen an die 30°) waren ein Fußbad in der ›fränkischen Elbe‹, der Wiesent, oder ein Armbad in einem Dorfbrunnen eine willkommene Erfrischung.

FS2-Burg PottensteinFS2-Das Bergwachtkreuz über PottensteinFS3-Prinz-Rupprecht-Pavillon über StreitbergRichard hatte für uns ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Die Wandertouren führten uns zum Teil über schmale Felssteige zu Kalk- und Dolomitfelsen aus der Zeit des Weißen Jura, zu Höhlen (die Fränkische Schweiz ist das größte zusammenhängende Höhlengebiet Deutschlands) und durch stille und naturbelassene Flusstäler.

FS2-Durchs stille PüttlachtalSolch idyllische Täler ganz ohne Verkehr sind zum Beispiel das obere Püttlachtal bei Pottenstein und das obere Aufseßtal bei Muggendorf. Im letzteren Tal befindet sich die Kuchenmühle, ein Fachwerkbau im fränkischen Stil mit dem Wasserrad. Bis in die 1970er-Jahre als Säge- und Getreidemühle in Betrieb; heute ein Restaurant mit schattigem Biergarten am plätschernden Bach, wo wir uns am Ende einer Wanderung bei Kaffee und Kuchen erholen konnten.

FS3-Auf der Burgruine NeideckFS3-Blick zur Ruine StreitbergFS3-Die Wiesent bei Streitberg-2Unter den Höhlen wird sicherlich die Oswaldhöhle bei Muggendorf (zumindest für mich) noch lange im Gedächtnis bleiben, eine zwar nur 60 m lange, aber unbeleuchtete Durchgangshöhle; der Wanderweg führte hindurch. Beim Durchschreiten rutschte ich auf dem nassen Untergrund aus (es geschah am Freitag, den 13.), konnte dann aber zum Glück mit einem gehörigen Schreck, aber ohne Blessuren, wieder aufstehen.

FS4-Die Walpurgis-Kapelle auf dem WalberlaFS4-Die Wiesenthauer Nadel am WalberlaFS4-Rodenstein, zweiter Gipfel des WalberlaFür alle Mitwanderer war auch die wohl imposanteste Karsthöhlenruine der Fränkischen Schweiz, die Riesenburg ein besonderes Erlebnis. Eindrucksvoll sind die teilweise über 10 Meter hohen, noch erhaltenen drei Bögen als Rest des ehemaligen Höhlendaches. Einer der Bögen ist sogar noch begehbar.

FS5-Abstieg aus der Versturzhöhle RiesenburgFS5-Die gewaltige Versturzhöhle RiesenburgFS5-Die Kuchenmühle an der AufseßFS5-Durchgang durch die OswaldhöhleFS5-Im Tal der AufseßFS5-Sauberes Wasser der WiesentVon den vielen Burgruinen, die wir gesehen oder sogar erklommen haben, möchte ich die Ruine Neideck oberhalb von Streitberg im Wiesenttal erwähnen, nicht nur weil ich sie mit Familie vor 26 Jahren auch besichtigt hatte, sondern weil diese Bilderbuch-Ruine eines der Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz ist. Der Wohnturm geht zurück auf das Jahr 1050. Von der Aussichtsplattform hat man einen weiten Blick auf das Wiesenttal.

FS5-Am AdlersteinFS5-Siegmund genießt die Aussicht vom Quackenschloss-FelsenFS6-Auf dem Hummerstein über GasseldorfFS6-Aussicht Schönblick beim HummersteinFS6-Steiler Anstieg auf dem FelsensteigAuch nicht ohne Anstrengung, aber sehr lohnend war die Wanderung zum Walberla, einem eineinhalb Kilometer langen und dreihundert Meter breitem Bergplateau mit der kleinen Walburgiskapelle, deren Patronin dem Berg seinen Namen gab. Von der Jungsteinzeit bis zur Völkerwanderung war das Plateau mit seinen Mulden fast durchgehend besiedelt. Zur Blütezeit der keltischen Kultur sollen hier einige tausend Menschen gelebt haben. Heutzutage versammeln sich jedes Jahr am 1. Mai die Gläubigen der Umgebung zum Gedenkgottesdienst für die Patronin.

FS6-Die Wiesent bei StreitbergFS6-Marktplatz EbermannstadtFS6-Erfrischung im Leinleiterbach in GasseldorfFS7-MuseumsdampfbahnFS7-Museumsdampfbahn an der WiesentAm letzten wiederum sehr warmen Wandertag traten wir zur allseitigen Freude und Erholung eine Fahrt mit der nostalgischen Museumsbahn von Behringersmühle bis Ebermannstadt an: Die Bahn wurde sogar von einer Dampflock gezogen. Gewandert wurde an diesem Tage wegen der Hitze nur 8 km von Muggendorf zurück zur Behringersmühle (meist im Schatten).

Resümee: Wir hatten eine sehr schöne, vergnügte, wenn auch manchmal etwas anstrengende Wanderreise ohne Verletzungen. Die Fränkische Schweiz ist ein herrliches Wandergebiet mit schöner Natur, vielfältiger Flora, malerischen Dörfern und vielen Burgen. Wir können die Begeisterung des eingangs erwähnten Victor von Scheffel nur teilen!

Bettina Lassen-Reißmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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